H. Damian de Veuster, Pater der Aussätzigen

(° 3. Jan. 1840 in Tremelo, † 15. Apr. 1889 in Molokai)

06. 03. 2022. Übersetzung des niederländischen Artikels dieses Abschnitts.

Ein Artikel über Pater Damian De Veuster ss.cc., ist wie einrennen von offene Türen, denn wissen wir nicht alle etwas über “den Helden von Molokai”, den Pater der Aussätzigen, und haben wir nicht alle eine romantisierte Verfilmung seines Lebens gesehen?

Vorab möchte ich eine kleine Begründung für die Veröffentlichung dieses Textes geben: Vor einigen Jahren organisierte unser öffentlich-rechtlicher Sender in einer großen Show eine Wahl zum berühmtesten Belgier. Am Ende wurden ein berühmter Flame und ein berühmter Waal ausgewählt, wie könnte es anders sein.  Pater Damian wurde Dritter beim französischsprachigen Sender.  Damian wurde der erste beim flämischen Sender, und ich erinnere mich an die vielen Argumente, für ihn zu stimmen, einschließlich der Plädoyers von Rechtsanwalt Jef Vermassen. Ich war glücklich und überrascht, dass sich Flandern für Damian entschieden hat, dafür gab es viele Gründe. Aber was in der Debatte fehlte, sind die tiefen Hintergründe dieses heiligen Lebens: Berufung, Priestertum, Mitglied eines Missionsordens, Predigt, Werke der Barmherzigkeit, Treue und Gehorsam gegenüber der Kirche, Selbstverleugnung, ermutigt durch das Beispiel des großen Meisters Christus.  Daher dieser kurze Bericht über ein heroisches, auf Gott ausgerichtetes Leben eines Heiligen, der „wirklich unser“ ist.

Chronologie:

Damian De Veuster wurde am 3. Januar 1840 in Ninde – Tremelo (Belgien) als siebtes Kind einer Bauernfamilie mit acht Geschwistern geboren. Ab seinem 15. Lebensjahr verdiente er im Betrieb seines Vaters für seine Familie, obwohl er eigentlich Priester werden wollte. Er besuchte schließlich das College in Braine-le-Comte und trat dann die Kongregation der Heiligen Herzen Jesu und Mariens (Kongregation von Picpus, nach der Straße in Paris, in der der Orden gegründet wurde: Rue de Picpus) in Löwen als Bruder Damian bei. Seine Profess legte er am 7. Oktober 1860 ab.

Er durfte als Missionar in Honolulu, Hawaii, arbeiten, wo er am 19. März 1864 in der Kathedrale Unserer Lieben Frau vom Frieden zum Priester geweiht wurde. Da nannte er sich schon Nachfolger des Hohepriesters Christus. Er arbeitete zunächst im Distrikt Puna, später in verschiedenen Gemeinden auf Oahu. Lepra war durch westliche Seeleute und Soldaten nach Hawaii gelangt, und weil es keine Behandlung gab und die Krankheit als hoch ansteckend galt, wurden die Aussätzigen aus ganz Hawaii auf die Insel Molokai verbannt. Damian fühlte, dass diese Ausgestoßenen einen Priester brauchten. Er stellte sich als Kandidat auf und erhielt von seinem Bischof die Erlaubnis, nach Molokai zu gehen. Er kam dort am 10. Mai 1876 an. Zu dieser Zeit hielten sich 816 Aussätzige auf der isolierten Kalaupapa-Landzunge auf. Seine erste Arbeit bestand darin, eine Kirche zu bauen, um die Messe zu feiern und als Zentrum für seine neue Pfarrei zu dienen. Später folgten der Bau von anständigen Häusern, der Bau von Straßen, der Bau einer Apotheke, Schulen, eines abgeschiedenen Hauses für die Sterbenden, eines Friedhofs und vieler anderer lebenswichtiger Infrastrukturarbeiten, um  eine verwilderte Gemeinschaft in eine gut organisierte Gesellschaft zu verwandeln. Schließlich hatte die Pfarrei St. Filomena zwei Dörfer, in denen 800 bis 1000 Aussätzige lebten. Innerhalb der kurzen Spanne von Damians Arbeit (16 Jahre) war sie zu einem blühenden Zentrum des Christentums geworden.

Damian war nicht nur Priester, sondern auch Arzt, Krankenpfleger, Zimmermann, Maurer, Totengräber, aber vor allem ein inspirierter Hirte für seine Gemeinschaft der Aussätzigen.

Pater Damian wurde in der Welt bekannt, weil er einmal von David Kalakaua, dem damaligen König von Hawaii (damals noch kein Staat der USA), zum Knight Commander des Royal Order of Kalakaua ernannt wurde. Prinzessin Lydia Liliuokalani besuchte die Siedlung und informierte die Welt einerseits über das Elend der Aussätzigen und andererseits über die beeindruckende Arbeit von Pater Damian. Protestanten aus den USA und Großbritannien begannen, Zuschüsse und Zulagen zu gewähren; die anglikanische Kirche schloss sich mit Lieferungen von Lebensmitteln, Medikamenten und Kleidung an. Die vielen Briefe von Pater Damien initiierten eine erste Form der Entwicklungshilfe.

Der Mut dieses Missionars wurde eher von protestantischen Kirchen und Verbänden anerkannt als von seinem eigenen Orden und der katholischen Kirche in Hawaii. Als er 1884 selbst an Lepra erkrankte, gelang es einigen, ihn der Unzucht zu bezichtigen, denn war Lepra nicht eine Nebenwirkung der Syphilis?

In der Zwischenzeit hatte Damian Unterstützung von einigen Priestern und vier Schwestern erhalten. Er arbeitete weiter unter seinen Leprabrüdern, und schließlich hat ihn die Krankheit wirklich zu einem von ihnen gemacht: “Wir, Aussätzige … “: So wandte er sich an seine Gemeindemitglieder, nachdem er seine eigene Infektion festgestellt hatte. Er arbeitete bis vierzehn Tage vor seinem Tod am 15. April 1889 weiter.

Verehrung, Seligsprechung und Heiligsprechung:

  • 1894, nur vier Jahre nach seinem Tod, wurde in Löwen eine Statue von Pater Damian von Constantin Meunier eingeweiht.
  • Am 3. Mai 1936 wurden die sterblichen Überreste von Pater Damian nach einer Reise an Bord des belgischen Schulschiffes Mercator in Antwerpen an Land gebracht. Der Missionar erhielt ein Grab in der Krypta St.-Josephs-Kirche in Löwen. Sein Sarg wurde zu Fuß in einer Prozession von Antwerpen nach Löwen gebracht, unter großem Interesse und in Anwesenheit vieler politischer und religiöser Autoritäten.
  • 1938 wurde der Prozess seiner Seligsprechung begonnen.
  • Am 7. Juli 1977 wurde Damien von Papst Paul VI. für ehrwürdig erklärt.
  • Die Seligsprechung vor der Nationalbasilika von Koekelberg, durch Papst Johannes Paul II. folgte am 4. Juni 1995. Seine rechte Hand wurde als Reliquie nach Hawaii repatriiert und am 22. Juli 1995 in Kalawao-Molokai beigesetzt.
  • Die Heiligsprechung fand am 21. Februar 2009 in Rom durch Papst Benedikt XVI. statt. Die Heiligsprechung folgte, nachdem Audrey Sigushi 1998 auf Die Fürsprache des seligen Damian für geheilt von einem metastasierenden Lungenkrebs erklärt wurde. Bei der Heiligsprechung wies der Papst darauf hin, dass Damian sein Land verlassen habe, um als Priester-Missionar das Evangelium zu predigen. Seine Aktivitäten zeugen von einer immensen Nächstenliebe, mit großer Selbstverleugnung, in dem Wissen, dass ein Aufenthalt zwischen Aussätzigen dann fast notwendigerweise dazu führen musste, krank zu werden und daran zu sterben. Er tat all dies in der Nachfolge Christi und schöpfte seine Kraft aus der täglichen Messe, der Beichte und seinem Priestertum in Treue zur Kirche, auch wenn diese ihn zu Lebzeiten nicht immer mit dem gleichen Verständnis behandelt hat.
  • Damian wurde von der Kirche als Schutzpatron der Aussätzigen und AIDS-Kranken anerkannt.

Kleine Fakten:

  • Damian De Veuster ist der einzige Nicht-Amerikaner mit einer Statue auf dem Kapitol in Washington.
  • In Belgien hat er Statuen in Löwen, Scherpenheuvel und Tremelo. Ein wunderschönes Flachrelief befindet sich in der Kathedrale des Heiligen Rumbold in Mechelen.
  • Prof. Hilde Eynicken schrieb einen schönen historischen Buch über das Leben von Pater Damien.
  • Zwei Spielfilme über Damian wurden gemacht: “Le Pélerin de l’Enfer” im Jahr 1946 und “Molokai: The Story of Father Damien” im Jahr 1999, unter anderem mit Peter O’Toole, Kris Kristoffersen und Jan Decleir. Leider wurde das Projekt für einen flämischen Film unter der Regie von Stijn Coninx nie realisiert.

Zum Schluss:

Pater Damian de Veuster ss.cc. war Priester und Missionar. Er wurde von seinem großen Hohepriester Christus in seiner Sendung und seinem Arbeit unter den Aussätzigen geleitet. Seine Menschlichkeit, seine Nächstenliebe, seine Hingabe an die Sache der Aussätzigen von Kalaupapa, sein Kampf um die Anerkennung der Leprakolonie, waren natürlich “von Menschen”. Dafür kann man ihn bewundern, denn es macht ihn als Mensch zu einem großen Vorbild. Aber wenn man seine Berufung, seinen Glauben, seine Treue zu seinen Gelübden und sein Priestertum ignoriert, tut man ihm Unrecht, denn alles, was er getan hat, ging von dort aus. Es durchdrang sein ganzes Leben und formte ihn zu dem heldenhaften Heiligen, den wir jetzt ehren und anrufen. (*)

L.P.

(*) A. d. Hrsg. So haben alle Heiligen gelebt: Menschen wie du und ich, mit ihren kleineren und größeren Macken, aber sich im Licht Christi vervollkommnend. Sie lebten nicht für Vergnügen, Ruhm oder Macht oder um danach auf einem Podest anzugeben, sondern im Dienst ihrer Mitmenschen und im Gehorsam gegenüber unserem gemeinsamen Vater. Wir denken auch mit tiefer Ehrfurcht an die vielen weniger bekannten und manchmal vergessenen Missionare, die das Evangelium weltweit unter äußerst schwierigen und gefährlichen Umständen gepredigt und gelebt haben. Ihr Vermächtnis ist nicht nur geistig, sondern auch materiell. Sie hinterließen blühende Kirchengemeinden, sorgten für Emanzipation durch Bildung, führten neue Techniken ein, usw.  Mit seinem heldenhaften Einsatz für die Aussätzigen auf einer abgelegenen Halbinsel war der heilige Damian Teil einer kontinuierlichen Kette christlicher Gesundheitsfürsorge, die auf Christus selbst zurückgeht, der vor zweitausend Jahren Aussätzige und andere Kranke in Palästina heilte. In unseren Städten finden wir noch die Spuren der Leprosen Häuser und anderer Krankenhäuser des Mittelalters, in der sich Ordensleute selbstlos mit den spärlichen Kenntnissen und Mitteln der Zeit um die Kranken kümmerten. Pater Damians materielles Vermächtnis beschränkte sich nicht auf seine Pfarrei auf Molokai und die dortigen medizinischen Einrichtungen. Er inspirierte andere, seine Arbeit fortzusetzen, unter anderem durch die bekannte Aktion Damian, die 1964 in Brüssel gegründet wurde und Lepra und andere Krankheiten wie Tuberkulose in 16 Ländern bekämpft.  Siehe https://damiaanactie.be/ (Niederländisch, Französisch und Englisch).

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