Rom

Papst Franziskus über seine historischen Irak-Reise

Während der Generalaudienz am Mittwoch, den 10. März 2021, hat Papst Franziskus auf seinen Besuch im Irak zurückgeblickt. Es war die erste päpstliche Reise in das Land, in dem sich Ur befindet, in der Heimat Abrahams, der als der gemeinsame Begründer von den drei großen monotheistischen Religionen gilt.

Anlass für diesen Besuch war die tiefe Besorgnis des Papstes über die Folgen der Kriegsgewalt, insbesondere für Minderheiten. In vielen Fällen sind sie Christen. Im Nordirak gab es, neben den Massakern und der Verbannung von Christen und Schiiten, besonders unter die Yeziden (Kurden mit synkretistischem Glauben) viele Opfer des IS zu beklagen.

Nach der Befreiung des Nordens und der Vertreibung des IS folgte eine kurze Periode relativer Ruhe, in der ein Teil der christlichen Bevölkerung zurückkehrte und der Wiederaufbau der Kirchen begann, vor allem in der Ebene von Niniveh. Ab 2020 wurden sie jedoch erneut von türkischen Anschlägen und Entführungen islamischer Extremisten bedroht. Ihre Zukunftsaussichten sind alles andere als rosig, und die Tatsache, dass der Papst jetzt kam, um sie zu sehen, bedeutete ihnen viel.

Seit der “demokratischen Befreiung” des Irak durch die US-geführte Koalition wurden die 1,5 Millionen Christen im Irak im Jahr 2003, auf ein Zehntel dieser Zahl reduziert. Im benachbarten Syrien verschwand unterdessen das 2/3 der christlichen  Bevölkerung.

Hier sind einige Passagen aus der Botschaft des Papstes – nachdem er vier Tage lang das Land durchquert hatte – eine Reise, die als “gefährlich” wurde angesehen.

Quellen (10-03-2021):

– kerknet.be

– zenit.org

– vaticannews.va

Liebe Brüder und Schwestern, guten Morgen!  

„In den letzten Tagen hat der Herr es mir ermöglicht, den Irak zu besuchen und so einen Plan des heiligen Johannes Paul II zu verwirklichen. Nie zuvor hat ein Papst das Land Abraham besucht. Die Vorsehung wollte, dass dies jetzt möglich wurde, als Zeichen der Hoffnung nach den vielen Jahren des Krieges und des Terrorismus und während einer harten Pandemie.“

Danach dankte der Papst Gott und allen, die seine Reise möglich und fruchtbar gemacht haben, mit einer besonderen Erwähnung des großen Ayatollah Al Sistani, des irakischen geistlichen Führers, mit dem er ein unvergessliches Treffen hatte. Diese Reise war für ihn wie eine Pilgerreise und zugleich ein Zeichen der Hoffnung:  

„Ich konnte mich diesem gemarterten Volk, dieser gemarterten Kirche, nicht nähern, ohne im Namen der katholischen Kirche das Kreuz auf meine Schultern zu nehmen, das sie seit Jahren tragen. Ein großes Kreuz, wie das, das am Eingang von Qaraqosh steht. Ich spürte es in besonderer Weise, als ich die noch blutenden Wunden der Zerstörung sah, und noch mehr beim Treffen mit überlebenden Zeugen der Gewalt, der Verfolgungen, des Exils… Gleichzeitig sah ich um mich herum die Freude, den Gesandten Christi zu empfangen. Ich habe die Hoffnung auf einen Horizont des Friedens und der Brüderlichkeit gesehen, zusammengefasst in den Worten Christi, der das Motto dieses Besuchs bildete: „Ihr seid alle Brüder“.

Das zerstörerische Monster des Krieges:

„Baghdad war im Laufe der Geschichte eine Stadt von herausragender Bedeutung – es beherbergte über Jahrhunderten die reichste Bibliothek der Welt.  Was hat sie zerstört? Der Krieg. Der Krieg ist immer das Monster, das sich im Laufe der Zeit anpasst und die Menschheit immer von neuen verschlingt.“

Wer liefert die Waffen?

„Die Antwort auf Waffen sind keine anderen Waffen. Ich fragte mich: Wer hat die Waffen an die Terroristen verkauft? Wer verkauft die Waffen heute an die Terroristen, die woanders Massaker anrichten, denken wir beispielsweise an Afrika. Das ist eine Frage, auf die ich gerne die Antwort von jemandem bekommen würde.“

Die Brüderlichkeit als Antwort.

„Soll es uns gelingen unter uns Brüderlichkeit aufzubauen, eine Brüderkultur zu schaffen? Oder werden wir mit der Logik weitermachen, die Kain begonnen hat: den Krieg?

Deshalb haben wir uns getroffen und gebetet, Christen und Muslime, mit Vertretern anderer Religionen, in Ur, wo Abraham vor etwa viertausend Jahren den Ruf Gottes hörte. Abraham ist unser Vater im Glauben, weil er die Stimme Gottes gehört hat, der ihm Nachkommenschaft versprach; er hat alles verlassen und ist gegangen.“

Botschaften der Brüderlichkeit:

„Eine Botschaft der Brüderlichkeit ging auch von dem Treffen in der syrisch-katholischen Kathedrale von Bagdad aus, wo 2010 während der Eucharistiefeier 48 Menschen getötet wurden, bei denen zwei Priester. Die Kirche im Irak ist eine Märtyrerkirche, und in diesem Gotteshaus, der die Erinnerung an diese Märtyrer in Stein trägt, wurde die Freude der Begegnung laut. Ich war erstaunt darüber, bei ihnen sein zu können, und sie freuten sich, den Papst bei sich zu haben.

Von Mosul und Qaraqosh, am Tigris, in der Nähe der Ruinen des antiken Ninives, haben wir eine Botschaft der Brüderlichkeit verbreitet. Die Besetzung durch den ISIS hat die Flucht von Tausenden und Abertausenden von Einwohnern verursacht, darunter viele Christen aus verschiedenen Konfessionen und anderen verfolgten Minderheiten, insbesondere Yeziden. Der alte Charakter dieser Stadt wurde zerstört. Im Moment kämpfen sie um den Wiederaufbau. Muslime laden Christen zur Rückkehr ein, und gemeinsam bauen sie Kirchen und Moscheen wieder auf.  Die Brüderlichkeit liegt da.“

Botschaft des Glaubens und der Hoffnung

„Und bitte lasst uns weiterhin für unsere leidgeprüften Brüder und Schwestern beten, damit sie die Kraft finden, von vorn anzufangen. Wenn ich an die vielen Iraker denke, die ausgewichen sind, möchte ich sagen: Ihr habt alles zurückgelassen, wie Abraham. Bewahren Sie, wie er, den Glauben und die Hoffnung, und verbreitet Freundschaft und Brüderlichkeit, wo auch immer ihr seid. Und, wenn möglich, kehrt zurück.“

Letzte Wünsche

„Im Irak sind die Palmen, Symbole dieses Landes und seiner Hoffnung, trotz des Lärms von Verwüstung und Waffen weitergewachsen und haben Früchte getragen. Das ist auch bei der Brüderlichkeit der Fall: Wie die Frucht der Palme macht sie keinen Lärm, aber sie ist fruchtbar und lässt wachsen.

Möge Gott, der Friede ist, dem Irak, dem Nahen Osten und der ganzen Welt eine Zukunft der Brüderlichkeit schenken.“

Schließen wir uns an und bitten wir Gott, die Menschheit von den vielen Formen der Grausamkeit, des Glaubenswahnsinn, der Machtgier und des Hungers nach Geld zu befreien, die sie plagen. Sein Reich des brüderlichen Friedens komme!

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